Seit Juli 2025 leiten Katja Möller und Jero Bentz die Melitta Gruppe gemeinsam. Was sie verbindet, ist mehr als eine gemeinsame Position: Es sind Vertrauen, Offenheit und der Anspruch, Entscheidungen mit Weitsicht und Nähe zu den Menschen zu treffen. Im Interview sprechen sie über ihre Zusammenarbeit als Führungsduo, die Zukunftsfähigkeit von Melitta und die Chancen in internationalen Märkten.
Katja Möller
Jero Bentz
- Katja, Jero, seit Juli 2025 seid ihr das Führungsduo der Melitta Gruppe. Wann habt ihr zum ersten Mal gedacht: Das funktioniert als Tandem?
- Katja: Bei mir war das exakt der Moment, als Jero mich fragte, ob ich zusammen mit ihm das Unternehmen leiten möchte. Es fühlte sich unmittelbar richtig an. Ich hatte direkt ein Bild vor Augen, wie unsere Zusammenarbeit funktionieren wird. Jero und ich arbeiten seit 16 Jahren zusammen. Wir kennen uns sehr gut und vertrauen einander. Wir teilen zentrale Werte und eine gemeinsame Führungsphilosophie.
- Jero: Mir war das bereits vor etwa drei Jahren klar. Als feststand, dass sich Katjas Vorgänger Volker Stühmeier aus der Unternehmensleitung zurückziehen würde, begann ich zu überlegen: Wer könnte auf ihn folgen? Schnell hatte ich Katja im Kopf, und ich wusste unmittelbar: Das wird passen. Sie kennt Melitta durch ihre lange Erfahrung sehr gut. In der Zwischenzeit schaut man dann bewusst hin und fragt sich, wie fühlt sich das an? Und ich war immer sicher, dass wir uns als Duo sehr gut ergänzen werden.
- Wie genau ergänzt ihr euch denn?
- Katja: Jero ist durch und durch Unternehmer. Für mich ist sehr wahrnehmbar, dass er die DNA seiner Urgroßmutter Melitta in sich trägt. Er bringt große Gestaltungskraft mit und erkennt früh, wo Chancen liegen und welche Risiken wir berücksichtigen müssen. Meine Stärke liegt dann eher in der Umsetzung, der Strukturierung von Themen sowie darin, die richtigen Menschen zusammenzubringen und darauf zu achten, was „zwischen den Zeilen“ passiert.
- Jero: Wir ergänzen uns jeden Tag in Meetings. Wir hinterfragen uns, bringen andere Blickwinkel und Herangehensweisen ein. Dieses Sparring ist auch der Grund, warum ich so gerne im Team arbeite: Ich finde Diversität spannend, weil sie mich immer wieder neu herausfordert und am Ende das bestmögliche Ergebnis entsteht. Was man dafür braucht, ist Offenheit …
- Katja: … und eine Dialogkultur auf Augenhöhe. Dazu das Gefühl, zu jeder Zeit so sein zu dürfen, wie man wirklich ist.
- Warum ist Authentizität in der Unternehmensleitung wichtig?
- Jero: Authentizität bedeutet für mich, sich selbst treu zu bleiben und die Werte, für die dieses Unternehmen steht, glaubwürdig vorzuleben. Dazu gehören Verlässlichkeit und Verbindlichkeit ebenso wie Respekt gegenüber den Menschen und ihrer Vielfalt. Gerade in der Unternehmensleitung ist es wichtig, dass diese Werte nicht nur formuliert werden, sondern im täglichen Handeln erkennbar sind. Das schafft Vertrauen und gibt Orientierung.
- Katja: Ergänzen möchte ich noch die Bereitschaft, Verantwortung zu übernehmen und auch schwierige Entscheidungen zu treffen. Diese Werte helfen uns, Menschen zu begeistern, Geschäfte erfolgreich zu entwickeln, Märkte zu sichern und neue Märkte zu erschließen.
- Katja, du bist seit mehr als 30 Jahren im Unternehmen. Wie hat deine neue Position deinen Blick auf Melitta verändert?
- Katja: Schon 2020, als ich die Geschäftsführung im Bereich Kaffeezubereitung übernahm, habe ich mir die Frage gestellt: Wofür stehe ich und was will ich erreichen? Meine Antwort war damals: „Unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sind stolz, bei Melitta zu arbeiten.“ Und diese Antwort gilt für mich auch noch heute.
- Mein Blick auf Melitta als Ganzes hat sich natürlich erweitert. Meine Entscheidungen betreffen heute die gesamte Gruppe, ihre gemeinsame Ausrichtung und ihre langfristige Entwicklung. Damit ist auch meine Verantwortung gewachsen. Doch mein Ziel – mein Warum – hat sich nicht verändert.
- Was bedeutet das ganz konkret für dich in deinem Handeln?
- Katja: Für mich bedeutet gute Führung, Kopf und Herz zu verbinden: Situationen sachlich zu analysieren und zugleich die Menschen hinter den Entscheidungen im Blick zu behalten. Auch in verantwortlicher Position möchte ich nahbar und ansprechbar bleiben, zuhören und unterschiedliche Perspektiven ernst nehmen.
Für mich bedeutet gute Führung, Kopf und Herz zu verbinden: Situationen sachlich zu analysieren und zugleich die Menschen hinter den Entscheidungen im Blick zu behalten.
, Unternehmensleitung von Melitta
- Der Kaffeemarkt ist volatil. Geopolitische Krisen, Klimawandel, ökonomische Unsicherheiten – wie bewältigt Melitta diese Herausforderungen?
- Jero: Ja, die Preise für Kaffee schwanken teils sehr stark. Das fordert uns heraus. Gleichzeitig ist Kaffee ein Genussmittel, das für viele Menschen weltweit zum Alltag gehört. Die Nachfrage ist trotz steigender Preise grundsätzlich stabil bzw. wachsend und damit sehr verlässlich und krisenfest. Und genau diese Kombination passt exzellent zu der Ausrichtung von Melitta, einem Familienunternehmen mit einer langfristigen Orientierung. Nicht ohne Grund reicht unsere Strategie bis ins Jahr 2033.
- Der Konsum bleibt stabil, die Rohstoffpreise aber nicht.
- Jero: Genau, und im Geschäftsjahr 2025 sind wir erfolgreich mit dieser Herausforderung umgegangen und haben gezeigt, dass wir als Familienunternehmen auch hier einen Wettbewerbsvorteil besitzen. Unsere Antworten auf Schwankungen im Markt lauten Besonnenheit, Ruhe und Augenmaß. Wir bleiben langfristig bei der Linie, von der wir überzeugt sind. Und das ist im Kaffeegeschäft ein enormer Vorteil.
- Katja: Gleichzeitig wollen wir unsere Langfristorientierung mit der Fähigkeit verbinden, schnell auf Veränderungen zu reagieren. Wenn sich der Markt bewegt, dann müssen wir uns anpassen. Wir müssen wachsam sein, die Märkte im Blick haben und zur richtigen Zeit die richtigen Schlüsse ziehen. Beherzt und konsequent, aber nie hektisch oder aktionistisch.
- Melitta will im Kaffeegeschäft weiter wachsen. Auf welchen Märkten seht ihr dafür das größte Potenzial?
- Jero: Wachstum und Internationalisierung sind wichtig, aber kein Selbstzweck. Gerade im Kaffeebereich ist es ratsam, Demut und Weitsicht zu zeigen. Wenn wir in neue Märkte gehen, fragen wir uns, wo dort unsere Chancen liegen und wie wir einen Mehrwert erbringen können. Schauen wir beispielsweise auf Brasilien, ein Land mit hohem Kaffeekonsum. Der Markt ist gesättigt, aber groß und differenziert. Wir sind im Süden stark vertreten, im Norden sehen wir noch Wachstumspotenzial. Allerdings müssen wir dort mit anderen Marktbedingungen und unterschiedlichen Vorlieben bei Röstung, Zubereitung und Verpackungsgröße von Kaffee umgehen. Demut bedeutet für uns, dass wir auf diese Unterschiedlichkeiten eingehen. Wir wollen wachsen, aber immer mit Blick auf die Besonderheiten der jeweiligen Märkte. Das gilt auch für weitere potenzielle Wachstumsmärkte in Asien, Skandinavien oder Osteuropa.
Ich finde Diversität spannend, weil sie mich immer wieder neu herausfordert und am Ende das bestmögliche Ergebnis entsteht.
, Unternehmensleitung von Melitta
- Melitta wird stark über Kaffee wahrgenommen, welche Rolle spielen die anderen Bereiche für die Gruppe?
- Katja: Kaffee macht rund 60 Prozent unseres Umsatzes aus und ist damit die bedeutendste der drei Säulen unseres Geschäfts. Die zweite ist die Kaffeezubereitung, als Ursprung von Melitta. Als Hersteller von Filtertüten® sind wir weltweit Marktführer und stehen für enorme Kompetenz. Die dritte Säule sind unsere Haushaltsprodukte, mit denen wir kontinuierlich wachsen. Mit den Produkten von Cofresco sind wir Marktführer in Europa, das Geschäft ist stabil und macht große Freude.
- Jero: Hinzu kommt unser Direct-to-Consumer-Geschäft, das wir kontinuierlich ausbauen. Mit Roast Market betreiben wir beispielsweise die führende Online-Plattform für Premiumkaffee und -kaffeezubehör im DACH-Bereich. Und wir etablieren die Plattform gerade in weiteren Ländern Europas. Roast Market bietet uns nicht nur viel Wachstumspotenzial, die Plattform stärkt auch die Beziehung zu den Verbraucherinnen und Verbrauchern. Wir erreichen dort Menschen, die sich intensiv mit Kaffee beschäftigen, und gewinnen durch den unmittelbaren Austausch wertvolle Erkenntnisse.
- Durch die Partnerschaft mit Real Madrid gewinnt Melitta zusätzliche Sichtbarkeit auf internationaler Bühne. Was sagt dieses Engagement über die Marke aus?
- Katja: Sport steht für Dynamik und Lebendigkeit, für Disziplin und Ausdauer, für Fairness und Respekt. Mit diesen Werten identifizieren wir uns bei Melitta zu 100 Prozent.
- Jero: Real Madrid ist nicht nur ein Verein, der sehr erfolgreich Fußball spielt. Der Club ist weltweit bekannt, insbesondere in Asien und Südamerika, also in Wachstumsmärkten, die für uns sehr interessant sind. Real Madrid nimmt dort eine Leuchtturmfunktion ein. Die Partnerschaft ist somit für Melitta ein ausgezeichnetes Vehikel, um in diesen Regionen Aufmerksamkeit und Sympathie für unsere Marke und unsere Produkte zu erzeugen.
- Der Jahresbericht trägt den Titel „About People and Passion“. Welche Situation aus eurem ersten Jahr als Führungsduo verkörpert dieses Motto besonders?
- Katja: Ich halte es für sehr wichtig, als Unternehmensleitung präsent und ansprechbar zu sein. Als ich im Juli 2025 meine Position angetreten bin, sagte ich zu Jero: „Lass uns noch vor den Sommerferien eine Mitarbeiterversammlung machen.“ Ich war sehr aufgeregt, das große Foyer in Minden war voll. Aber als ich in die Gesichter der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter geschaut habe, wurde mir bewusst, wie eng sie sich mit Melitta verbunden fühlen und wie sehr jeder Einzelne zum Erfolg unseres Unternehmens beitragen will. Und da habe ich mich vor ihnen und neben Jero auf der Bühne direkt wohl gefühlt. Dieser Moment steht – neben vielen anderen – für „About People and Passion“. Diese Momente haben mich durch das erste Jahr getragen – und werden mich weitertragen.
- Jero: Die Kolleginnen und Kollegenwollen uns live, echt und ehrlich erleben. Das gilt für die schönen Momente, das gilt aber auch dann, wenn wir schwierige Nachrichten überbringen müssen. Oder wenn Unsicherheiten Fragen aufwerfen, die wir noch nicht beantworten können. In solchen Situationen authentisch, offen und ehrlich zu sein – und dann zu spüren, dass die Menschen uns vertrauen: Auch das steht für mich für „About People and Passion“.
Jero Bentz
Jero ist Urenkel der Unternehmensgründerin Melitta Bentz und seit 2013 Mitglied der Unternehmensleitung.
Nach Abitur und Reserveoffizierausbildung studierte er BWL in Würzburg und Koblenz und erwarb im Anschluss berufsbegleitend einen MBA in Charlotte, North Carolina. Seine berufliche Laufbahn begann er als Berater bei einer großen Wirtschaftsprüfungsgesellschaft. Nach einer Station als Inhaber und Geschäftsführer einer Marketing- Agentur am Bodensee stieg er 2010 ins Familienunternehmen ein. Jero vertritt damit die vierte Familiengeneration der Melitta Gruppe.
Katja Möller
Katja ist seit 1996 für die Melitta Gruppe tätig, seit Juli 2025 ist sie Teil der Unternehmensleitung.
Sie begann 1996 ihr Duales Studium der Betriebswirtschaft bei Melitta Haushaltsprodukte. Ihre erste Stelle trat sie dort 1999 im Logistik-Controlling an, im Verlauf der Jahre stieg sie bis zur Leitung Controlling EU auf. Nach weiteren Leitungsfunktionen in der Melitta Gruppe übernahm Katja 2020 die Geschäftsführung der Melitta Europa GmbH & Co. KG – Geschäftsbereich Kaffeezubereitung.